Soziale Kompetenz angehender Lehrerinnen und Lehrer: Entwicklung eines forschungsbasierten Trainingsprogramms (SOKO-L)

Uta Klusmann (IPN), Michaela Köller (CAU) & Bastian Carstensen (IPN)

Gelingende soziale Interaktionen zwischen Schüler_innen und Lehrkräften sind ein wichtiger Prädiktor für erfolgreiches Lernen und für das Wohlbefinden der Lehrkräfte und Schüler_innen. Ein Großteil der angehenden Lehrkräfte und der Berufsanfänger_innen fühlt sich durch die Ausbildung nicht ausreichend vorbereitet. Die Überforderung bei der ersten Konfrontation mit der komplexen sozialen Situation wird als Praxisschock bezeichnet (Goddard, O’Brien & Goddard, 2006; Veenman, 1984; Voss et al., 2015). Einiges deutet darauf hin, dass dieser Praxisschock nicht von allen gleichermaßen erlebt wird, sondern dass das Wissen und Können, welches die jungen Lehrkräfte mit in die Praxis bringen, eine entscheidende Rolle spielt. Dabei hat sich gezeigt, dass es die generischen Kompetenzen sind, die eine gelingende Praxiserfahrung begünstigen (Klusmann et al., 2012). So konnten für die Fähigkeit zur Selbstregulation und das Wissen über Klassenführung positive Effekte sowohl auf das Wohlbefinden der Lehrkräfte als auch auf die Unterrichtsqualität gezeigt werden (Klusmann et al., 2012; Dicke et al., 2015; Voss et al., 2015). Soziale Kompetenz stellt ein mehrdimensionales Konstrukt mit Wissens-, Fähigkeits- und Fertigkeitsfacetten dar, die es dem Individuum in sozialen Situationen ermöglicht, seine eigenen Interessen durchzusetzen ohne dabei der Verwirklichung der Interessen der Interaktionspartner_innen entgegenzuwirken (Runde, 2004; Süß et al., 2008). Bezogen auf den Lehrerberuf postulieren Jennings und Greenberg (2009) die vier Grundfähigkeiten Selbstkenntnis, soziales Bewusstsein, Selbstregulation und Beziehungsmanagement. Lehrkräfte mit hohen sozialen Fähigkeiten sind laut Jennings und Greenberg (2009) auch in der Lage, eine positive Lehrer-Schüler-Beziehung zu gestalten, die wiederum Grundlage für eine gelungene Klassenführung und das Lernen der Schülerinnen und Schüler ist (Hattie, 2009). Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die Fähigkeit, eigene Emotionen zu kennen und zu regulieren das Erleben von Stress- und Burnout- Symptomen reduziert (Roeser et al., 2013). Theoretisch wird eine prinzipielle Erlern- und Veränderbarkeit der sozialen Kompetenz postuliert (Kunter et al., 2011; Runde, 2002; Süß et al., 2008). Das Projekt SOKO-L hat daher zum Ziel, ein forschungsbasiertes Trainingsprogramm für die Soziale Kompetenz von angehenden Lehrer_innen zu entwickeln. Das Programm schließt an die aktuelle Forschung zur Sozialen und Emotionalen Kompetenz an. In dem zu entwickelnden Trainingspro-gramm werden sowohl Wissen als auch Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt und eingeübt. Das Programm soll in Hinblick auf seine Wirksamkeit hin evaluiert werden.