Forschungsprojekt Kooperatives Lehren:

Effekte von Gruppensynchronisation, Gruppenzusammensetzung und Gruppenkonstanz



Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Prof. Dr. Jens Möller, Dipl.-Psych. Toni Ihme
 
Zusammenfassung

Gruppenarbeit gilt als besonders geeignete Form der Arbeitsorganisation in und außerhalb von Bildungseinrichtungen wie Schule und Universität. Die häufige Forderung nach vermehrter Kooperation von Schülern oder Lehrern basiert auf der Annahme, dass sich durch gemeinsames Lernen oder Lehren Leistungs- und Motivationszuwächse erzielen lassen. Während für die positiven Effekte Kooperativen Lernens breite empirische Evidenz vorliegt, ist Kooperatives Lehren bisher kaum Gegenstand empirischer Forschung gewesen. Kooperatives Lehren wird im Rahmen dieses Projektes definiert als Zusammenarbeit von Lehrenden zur gemeinsamen Planung, Durchführung und Optimierung der Wissensvermittlung an Lernende. Ziel des Projektes ist die Analyse und experimentelle Überprüfung der Wirkung Kooperativer Lehre im Vergleich zu individueller Lehre. In den geplanten Studien werden die Motivation der Lehrenden, die Qualität des Unterrichtsvortrages und der Leistungszuwachs der Lernenden untersucht.

Vorstudien

Zwei Vorstudien, in denen die Probanden (einmal Schüler und einmal Studenten) auf Basis eines Fachtextes ein Poster erarbeiteten, das geeignet sein sollte, Schülern einer neunten Klasse die Inhalte dieses Textes zu vermitteln, zeigten zwei Vorteile der Gruppenbedingung gegenüber der Einzelbedingung (Ihme, Möller & Pohlmann, 2009) auf. Zum Ersten ergab sich eine höhere Arbeitsmotivation der Probanden in der Gruppenbedingung. Das zweite Ergebnis war eine geringere Anzahl von Fehlern auf den Postern in der Gruppenbedingung. Diese Ergebnisse und die damit einhergehenden mittleren bis hohen Effektstärken ließen eine Fortsetzung der Forschungen vielversprechend erscheinen. In den folgenden Studien wird nun der Grad der Zusammenarbeit experimentell variiert und - anders als in den Vorstudien - neben den Postern und der Arbeitsmotivation auch die Leistung der Lernenden und die Qualität des Unterrichts in die Auswertung miteinbezogen.

Studie I

In dieser Studie wurde ein vollständiger Lehrvorgang in Form eines Kurzreferates von einem oder zwei Lehrenden vor einem Lernenden untersucht. Die Lehrenden hatten hierbei die Aufgabe auf Basis eines Textes zu Lernstörungen ein Referat und ein Poster auszuarbeiten, um einem anderen Probanden dieses Thema zu vermitteln. Hierfür wurden die Lehrenden zufällig vier verschiedenen Versuchsbedingungen zugeteilt: einer Einzelbedingung, in der einem Probanden allein die Aufgabe zufiel, das Referat vorzubereiten, das Poster zu erstellen und das Referat zu halten sowie drei Gruppenbedingungen, die sich im Grad der Zusammenarbeit unterschieden. In Gruppenbedingung 1 erarbeiteten zwei Probanden ein Konzept für den Vortrag, erstellten aber jeweils ein Poster für sich und hielten den Vortrag allein. Gruppenbedingung 2 schloss die Erstellung des Posters in die Zusammenarbeit mit ein, und in Gruppenbedingung 3 wurde der gesamte Vorgang inklusive des Vortrages von beiden Probanden zusammen durchgeführt.
In Übereinstimmung mit den Hypothesen zeigte sich, dass die Lehrenden in den Gruppen eine höhere Motivation aufwiesen als die Lehrenden in der Einzelbedingung. Außerdem zeigte sich, dass die Lernenden, die den Vortrag unter Gruppenbedingung 3 gehört hatten, einen höheren Lernzuwachs erreichten, als die Lernenden in allen anderen Versuchsbedingungen.

 

Publikationen

 
Ihme, T., Möller, J. & Pohlmann, B. (2009). Effekte von Kooperation auf die Qualität von Lehrmaterial. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 23, 259-263.