AFFIRM

Dr. Nicole Nagy & Dr. Michaela Köller

AFFIRM ist ein Kooperationsprojekt der Arbeitseinheit Psychologie für Pädagogen der CAU (Dr. Michaela Köller), des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel (Dr. Nicole Nagy) und der Fernuniversität Hagen (Dr. Toni-Alexander Ihme).

Self-Affirmation – sich selbst bestärken, bejahen oder bestätigen ist der Kern des Forschungsprojekts AFFIRM. Die eigene Person als gut, kompetent und integer anzusehen ist nach Ansicht einer Reihe psychologischer Theorien ein fundamentales menschliches Motiv und zugleich Basis für Leistungsfähigkeit und Lebensfreude. Eine Bedrohung dieser Selbstintegrität kann zu Einbußen in der Leistungsfähigkeit führen (Cohen & Sherman, 2014). Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass allein die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die mit negativen Stereotypen bezüglich der Leistungsfähigkeit besetzt ist (Stereotype Threat), dazu führen kann, dass Menschen schlechter abschneiden, als es ihrer Fähigkeit entspricht (Steele, 1997). Diese Wirkung des Stereotype Threat (der stereotypen Bedrohung) konnte beispielsweise für Frauen und Mädchen gezeigt werden, die tatsächlich weniger gut in Mathematiktests abschnitten, wenn sie sich mit negativen Stereotypen zu ihrer mathematischen Leistungsfähigkeit konfrontiert sahen (Kiefer & Sekaquaptewa, 2007). Ebenso konnte man zeigen, dass auch andere negativ stereotypisierte Gruppen wie z. B. Afroamerikaner_innen, Lateinamerikaner_innen oder Menschen mit niedrigem sozialen Status weniger gut abschnitten als es aufgrund ihrer wahren Leistungsfähigkeit zu erwarten war.

An dieser Stelle setzt Self-Affirmation als einfache, aber wirksame Intervention an. Menschen schreiben über ihre eigenen Werte und sollen so ihren Blick über den bedrohten Ich-Bereich hinaus weiten und ihre Selbst-Integrität wieder herstellen (Cohen & Sherman, 2014). Über Werte zu schreiben, bietet sich an, weil Werte als internalisierte Standards zur Selbstevaluation genutzt werden. Bisherige Studien zur Wirksamkeit von Self-Affirmation Interventionen zeigten eine überraschend hohe und lang anhaltende Steigerung der schulischen Leistungen (Cohen et al., 2006).

Ziel des Self-Affirmation Projektes AFFIRM ist es, die Wirksamkeit dieser Intervention im deutschen Sprachraum zu prüfen.

Das AFFIRM Projekt adressiert diese Fragestellungen mit vier Studien, die Stereotype Threat und Self-Affirmation mit verschiedenen konzeptuellen und methodischen Ansätzen untersuchen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf quantitativer Forschung, wobei die Untersuchungsdesigns von Feldstudien bis zu experimentellen Studien reichen.

Studie 1: Self-Affirmation in der Schule (Timm Gehrmann, Savion Hesse, Michaela Köller, Nicole Nagy)

In dieser Studie werden alle siebten Klassen an zwei Gymnasien im Schuljahr 2014/15 über ein halbes Jahr begleitet. Die Schülerschaft setzt sich zu etwa gleichen Teilen aus Schüler_innen mit und ohne Migrationsgeschichte zusammen. Ein Teil dieser Schüler_innen nimmt über das Schulhalbjahr verteilt an mehreren Self-Affirmation Interventionen teil, der andere Teil dient als Kontrollgruppe. Profitieren Schüler_innen mit Migrationsgeschichte von der Self-Affirmation Intervention, d.h. zeigen sie im Verlauf des Schuljahres bessere Leistungen? Profitieren weitere Schüler_innengruppen von der Intervention? Wie ist die Sicht der Lehrer_innen? Diese und weitere Fragen sollen mit dieser Studie beantwortet werden.

Studie 2: Skalen zum Stereotype Threat - Entwicklung und Validierung eines ersten deutschsprachigen Instruments (Toni Ihme, Sara Mätzold, Nicole Nagy, Michaela Köller)

Bis dato werden zur Erfassung von Stereotype Threat im deutschsprachigen Raum englischsprachige Instrumente adaptiert. Ziel dieser Studie ist es, ein Instrument zur Erhebung von Stereotype Threat im Kontext Schule für den deutschsprachigen Raum zu entwickeln.

Studie 3: Self-Affirmation für „Scheidungskinder“ (Daria Buttermilch, Nicole Nagy, Michaela Köller)

Eine große Anzahl psychologischer, soziologischer und erziehungswissenschaftlicher Studien zeigt, dass Kinder Alleinerziehender und in Patchworkfamilien im Mittel schlechtere Leistungen und mehr Probleme in der Schule zeigen als Kinder aus „vollständigen“ Familien. In einer experimentellen Studie soll untersucht werden, inwieweit diese Schüler_innengruppe von Stereotype Threat betroffen ist und ob eine Self-Affirmation Intervention hilft, ihr vorhandenes Potenzial zu entfalten.

Studie 4: Wertvorstellungen Jugendlicher mit und ohne Migrationsgeschichte (Wiebke Bromm, Nivole Nagy, Michaela Köller).

In dieser qualitativ angelegten Studie werden Jugendliche mit und ohne Migrationsgeschichte zu ihren Werten, Wünschen und Lebenszielen befragt. Was ist ihnen wichtig im Leben? Was ist ihnen unwichtig? Was bedeutet für sie ein glückliches und ein erfolgreiches Leben zu führen? Was möchten sie in ihrem Leben erreichen?